Grundschule Nordholz

„Watt ist los!“

 

Der Kooperationsverbund zur „Förderung besonderer Begabungen“ (CUX 1) besteht seit 2015. Ihm gehören das Amandus-Abendroth-Gymnasium und die Grundschule Groden aus Cuxhaven sowie die Grundschule Nordholz mit einer dazugehörigen Kindertagesstätte an. Stets bestand das Bestreben dieses Begabungsverbundes darin, die Potentiale von Kindern und Jugendlichen durch institutionsübergreifende Bildungsarrangements zu steigern und Bildungsbiografien durchlässiger zu gestalten.

Gemeinsam fördern wir u.a. sowohl das „interessengeleitete Lernen“ als auch das „forschende, entdeckende Lernen“. Inspiriert durch den Forschungsverbund „Leistung macht Schule“ (LemaS, Teilprojekt 9) * nutzen wir die eingeführte und erweiterte Methode des Freien Explorieren und Experimentierens (FEE, Köster 2018) *. Unterstützung erhielten wir dabei auch durch Uni.-Prof. Dr. Hilde Köster und ihrem Team.

Unser Bestreben liegt darin, die Schüler:innen bei ihren individuellen Forschungsprojekten rund um das Thema Wattenmeer einerseits zu begleiten und andererseits zu überprüfen, inwieweit sie das „forschende Lernen“ verinnerlicht haben und anwenden können.

In multiprofessionellen Teams richten wir seit über zehn Jahren ein Forschercamp direkt am Wattenmeer (Cappel-Neufeld) über vier Wochen im Jahr aus. Es erkunden bzw. erforschen dabei selbst schon die Kinder, die sich im letzten Kindergartenjahr befinden bis hin zu Gymnasiasten den außerschulischen Lernort: „Niedersächsisches Wattenmeer“.

Fachliche Unterstützung erhalten die Kinder und Jugendlichen von Expert:innen wie: Meeresbiolog:innen, Lehrkräften, Erzieher:innen, Mitarbeiter:innen des „Nationalpark-Hauses Dorum“ und in der Zeit von 2019-2022 auch durch wissenschaftliche Mitarbeiter:innen der FU Berlin.

Nach einer Gewöhnung an das neue Lernumfeld nähern sich die kleineren Kinder dem Wattenmeer zunächst spielerisch und erkundend bzw. explorierend an.

Für Schüler:innen, die sich schon im Wattenmeer orientiert haben , werden die Explorationen immer vielfältiger und erste Forschungsfragen werden eigenständig formuliert. Die besondere Möglichkeit bietet hier die längere Verweildauer (bis zu einer Woche) am außerschulischen Lernort, um sich mit eigenen Fragestellungen forschend auseinanderzusetzen. Kompetenzerleben und Verstehen werden geweckt und das Interesse an naturwissenschaftlichen Fragen wird gefördert (vgl. Krapp/Prenzel 2011/Lange/Kleikmann/Tröbst/Möller2012) **.

Die Bearbeitung der Forschungsfragen erfolgt dabei auf unterschiedliche Art und Weise:

Sie recherchieren mithilfe von bereitgestellter Fachliteratur oder führen Beobachtung durch. Erste Experimente werden vorbereitet und Untersuchungen durchgeführt. Häufig werden Fragestellungen mit Expert:innen erörtert und verifiziert.

Die Fragestellungen der Schüler:innen und Kinder im Vorschulalter sind vielfältig, z.B.:

Biologische Fragen:

- Wie frisst der Wattwurm eigentlich, oder wozu hat der Einsiedlerkrebs sein Haus?

Fragen zu geologischen Prozessen:

- Was ist Schlick, und warum riecht der Schlick oben anders als der ausgegrabene Schlick?

- Weshalb gibt es verschiedene Wattschichten?

Im Rahmen der Bearbeitung nutzen die Schüler:innen wichtige Arbeitsweisen der Natur-wissenschaften:

- das Sammeln von Exemplaren

- das Ordnen und Vergleichen

- das selbstständige Entwickeln von Ordnungssystemen

- das Reflektieren mit Experten und Sach- und Fachbüchern.

Die Fragen und Forschungsprojekte der Kinder verblüffen hierbei durchaus.

So werden Algen unter dem Mikroskop und einem Binokular der Aufbau des Blattes bis hin zu den Zellen der Pflanze erforscht, dokumentiert und skizziert.

Weiterhin erforschten einige Schüler:innen das Bewegungsverhalten von Einsiedlerkrebsen. Dabei kristallisierte sich ein „besonderes“ Forscherteam heraus, bestehend aus Schüler:innen aller drei Schulen, die ein vertieftes Interesse bzgl. des Bewegungsradius der Einsiedlerkrebse unter Berücksichtigung der Gezeiten, der Wassertemperatur und des Strömungsverhaltens zeigten. Die Schüler:innen entwickelten entsprechende Experimente dazu und sammelten über einen längeren Zeitraum - unter Verwendung unterschiedlicher naturwissenschaftlicher Forschungsmethoden - Daten. Sie forderten selbstständig die Expertise der Meeresbiologin ein, um z.B. Einsiedlerkrebse, gemäß einem angemessenen Tierschutz, zu markieren. Dabei wurde auf freiwilliger Basis und hochmotiviert eine Datensammlung auch über die Gezeiten hinaus in den Abendstunden hinweg komplettiert. Die Schüler:innen eigneten sich in unglaublicher Geschwindigkeit Verfahren an- z.B. zur Berechnung von Strömungsgeschwindigkeiten - und bildeten ihre Fähigkeiten in Bezug auf das wissenschaftliche Beobachten durch eine bewusste Selektion der für die Beantwortung der Fragestellung und Testung der Hypothese essentiellen Details aus.

Ihre Forschungen sind noch nicht beendet. Alle Daten sollen im neuen Schuljahr 2023/24 weiter ausgewertet werden. „Das Forscherteam“ bleibt bestehen und wird institutionsübergreifend gefördert und begleitet. Lehrkräfte, außerschulische Expert:innen und Mitarbeiter:innen stehen als Lernbegleitung zur Verfügung.

 

Zusammenfassend haben sowohl alle beteiligten Kinder des Elementarbereiches als auch Schüler:innen der Primar- und Sekundarstufe essentielle Erfahrungen mit der Natur und einem einzigartigen Ökosystem erhalten. Neben den naturwissenschaftlichen Bildungszielen lernten die Schüler:innen auch das Wattenmeer als schützenwertes und bedeutsames Ökosystem kennen, auf das die Menschen durch ihr Verhalten Einfluss nehmen.

Zusätzlich entstand die Schaffung von Freiräumen für ein selbstbestimmtes und eigenverantwortlichen Lernen. Schüler:innen mit hohen Potenzialen wurde es ermöglicht, ihre vorhandenen Stärken zu entfalten und weiterzuentwickeln. Die Bildung von temporären Lerngruppen in klassen- oder jahrgansübergreifender Form wirkte lernförderlich und beflügelte die Motivation des „Forscherteams.“

Sie haben sich vorgenommen „IHR“ Forscherprojekt zu veröffentlichen und bei „Jugend forscht“ einzureichen.

 

* Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes LemaS -Leistung macht Schule Teilprojekt 9 kooperiert die Grundschule Nordholz mit der Didaktik des Sachunterrichts der Freien Universität Berlin.

** Aus GDSU-Journal 2016, Heft 5 (S.10)

 

Sabine Peter

Schulleiterin

GS Nordholz

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